Wozu Schulbusprojekte?


Ziel von Schulbusprojekten ist in erster Linie die Prävention: Unfälle bei der Nutzung von Schulbussen sollen vermieden werden. Ausschlaggebend ist dabei die Überlegung, dass (Fehl-)Verhaltensweisen der Schülerinnen und Schüler häufig die Ursache von Unfällen sind. Manchmal bilden tatsächliche Unfälle den Anlass für die Initiierung eines Schulbusprojektes, manchmal ist es „nur“ die Unzufriedenheit mit dem täglich erlebten Status Quo. Wie es im bekannten „Schulbus“-Song von Rolf Zuckowski heißt: „Drängeln, schieben, meckern, motzen finde ich zum …“

Das Verhalten der Schüler findet unter konkreten Rahmenbedingungen statt: Die Schulbusse selbst, die Verkehrswege und die Haltestellen sowie der übrige motorisierte und nicht motorisierte Verkehr sind ebenso wie die Schüler selbst Elemente des Systems Straßenverkehr. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Kinder aufgrund ihres Entwicklungsstandes nicht immer in der Lage sind, sich in mehr oder weniger komplexen Verkehrssituationen situationsgerecht zu verhalten.

Ein Ansatz, der nur darauf setzt, kindliches Fehlverhalten zu beseitigen, greift zwangsläufig zu kurz. Wenn im direkten Umfeld einer Haltestelle Autofahrer immer wieder mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs sind, müssen diese „gebremst“ und entsprechende Überquerungsstellen eingerichtet werden. Wenn eine Haltestelle ungünstig angelegt oder die Wartefläche zu klein ist, muss sie verbessert werden. Ein Appell an die Aufmerksamkeit der Kinder kann solche Maßnahmen nicht ersetzen.

Dennoch ist es sinnvoll und richtig, wenn Schulbusprojekte (auch) an der Verhaltensebene ansetzen. Zum einen deshalb, weil es für manche Probleme keine andere Lösung gibt, zum anderen aber auch, weil das Verhalten der Schüler im Bus und an der Haltestelle oft verbesserungswürdig ist.

Schulbusprojekte können dazu beitragen, dass die Schüler:
• um Gefahren bei der Benutzung des Schulbusses wissen,
• sichere Verhaltensweisen kennen,
• bereit sind, diese im Alltag umzusetzen.
Projekte, die im Wesentlichen diese Ziele verfolgen, werden Busschulen genannt. Sie wenden sich vorrangig an Erstklässler der Grundschulen sowie an die Schüler der 5. und 6. Klassen, die nach einem Schulwechsel häufig einen neuen, weiteren Schulweg bewältigen müssen.

Eine etwas andere Zielorientierung verfolgen Projekte der Busbegleitung. Ältere Schüler, Eltern oder sonstige Personen werden entsprechend ausgebildet, fahren in den Bussen mit oder führen Aufsicht an zentralen Haltestellen. Bei beobachteten Fehlverhaltensweisen und bei Konflikten können sie auf die Beteiligten einwirken und/oder entsprechende Meldung in den Schulen machen. Hier geht es also mehr um das soziale Lernen, um das Miteinander bei der Nutzung des Schulbusses bzw. des Öffentlichen Nahverkehrs, teilweise aber auch um die Beachtung von Regeln.

Schließlich kann mit Schulbusprojekten noch ein dritter Zielbereich angesprochen werden: das Thema Mobilität. Öffentliche Verkehrsmittel stehen zumindest bei älteren Schülern in Konkurrenz mit Fahrrad, Moped, Roller und – mit dem 18. Geburtstag – auch mit dem Auto. Die individuelle Fortbewegung mit dem motorisierten Fahrzeug besitzt in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Bus und Bahn haben dagegen einen schweren Stand, obwohl sie als sichere, umweltfreundliche und kostengünstige Verkehrsmittel Pluspunkte für sich verbuchen können. Schulbusprojekte können dazu beitragen, dass die Schüler eine bewusste, von rationalen Erwägungen bestimmte Verkehrsmittelwahl treffen und auch als Erwachsene die Vorteile öffentlicher Verkehrsmittel nutzen.

Entwicklungspsychologisch ist es begründet, dass Busschulen sich eher an jüngere Schüler, Modelle der Busbegleitung eher an ältere Schüler als Zielgruppe wenden. Da an den Schulen und in den meisten Buslinien jüngere und ältere Schüler gemeinsam unterwegs sind, liegt es nahe, beide Ansätze miteinander zu kombinieren. Projekte, bei denen die Verkehrsmittelwahl oder auch die Konfliktbewältigung in öffentlichen Verkehrsmitteln im Mittelpunkt stehen, sind eher der weiteren Mobilitätserziehung zuzurechnen.

Schulbusprojekte können und sollten eingebettet sein in weitergehende Konzeptionen der Verkehrs- und Mobilitätserziehung sowie in weitere Aktivitäten zur Schulwegsicherheit, zum Beispiel durch die Erstellung von Schulwegplänen.